Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen, nachfolgend ein Kurzfassung zur Historie der Nenngröße TT. Ausführlichere Darstellungen lassen sich auf diversen Webseiten und in der Modellbahnliteratur finden.
Die Entstehung der Nenngröße TT wird allgemein dem US-amerikanischen Ingenieur Harald Joyce zugerechnet. Anfang der 40-iger Jahre entwickelte er eine Modelleisenbahn im Maßstab 1/10in:1ft (2,54mm:304,8mm), was einem Verhältnis von 1:120 entsprach. Nach dem 2. Weltkrieg gründete Joyce die Firma H.P. Products, die etwa 1946 die ersten Modelle ausgeliefert haben soll. Auch die Bezeichnung TT für die Modelleisenbahn im Maßstab 1:120 wird Joyce zugeschrieben. Da ein einfaches Gleisoval mühelos auf einem Tisch aufgebaut werden konnte, soll die Modellbahn den Namen Table Top Train bekommen haben.
Ende der 40-iger Jahre kamen auch in Europa Modellbahnen im Maßstab 1:120 auf den Markt.
Die beiden wohl bekanntesten deutschen Hersteller von TT-Modellbahnen waren Ende der 50-iger Jahre die Firmen ROKAL (Lobberich) und Zeuke & Wegwerth (Berlin). Aber auch in anderen europäischen Ländern wurden Modellbahnen in der Nenngröße TT entwickelt und produziert.
Ab Anfang der 60-iger Jahre verlief die weitere Entwicklungsgeschichte der Nenngröße TT recht unterschiedlich.
In den USA ging der Anteil von TT-Modellbahnen zunächst stark zurück. Einen nicht genau einschätzbaren Anteil daran hatte wahrscheinlich auch die zunehmende Verbreitung von Modellen in der Nenngröße N. Mit dem Verkauf von H.P. Products Ende der 60-iger Jahre verschwand dann mehr oder weniger die TT-Modellbahn vom US-amerikanischen Markt.
In Deutschland entwickelte sich die TT-Modellbahn so zweigeteilt wie das Land.
Die Firma ROKAL, deren Name sich aus den Anfangsbuchstaben des Firmengründers und aus dem ersten Buchstaben des Produktionsstandortes (Robert Karmann / Lobberich) zusammensetzt, geriet Ende der 60-iger Jahre in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Auch hier haben wohl die wachsende Konkurrenz durch die Nenngröße N und die zu dieser Zeit recht beliebten Autorennbahnen (Slotcars) eine wesentliche Rolle gespielt. Anfang der 70-iger Jahre wurde ROCAL an die Firma RÖWA Modelleisenbahnen GmbH in Unterensingen am Neckar verkauft. Doch auch unter dem neuen Dach trat wohl nicht der notwendige wirtschaftliche Erfolg ein. So endete 1975 die Großserienproduktion von TT-Modellen im westlichen Teil Deutschlands. Vermutet wird, dass Teile aus der Konkursmasse (Werkzeuge, Zeichnungen, Formen) durch die österreichische Firma Roco übernommen wurden, die aktuell (Stand 2010) noch einige Modelle in der Nenngröße TT anbietet.
Die Firma Zeuke & Wegwerth hat Anfang der 50-iger Jahre mit der Entwicklung einer Modelleisenbahn im Maßstab 1:120 begonnen. Bereits Ende der 50-iger Jahre wurden die ersten TT-Modelle vorgestellt. Das TT-Sortiment wurde in den Folgejahren ständig erweitert und verbessert.
Anfang der 70-iger Jahre wurde dann die Firma Zeuke & Wegwerth verstaatlicht und firmierte fortan als VEB Berliner TT Bahnen (BTTB). Bis Ende der 80-iger Jahre wurden die Produktionskapazitäten und das Sortiment stetig erweitert. Ein Großteil der TT-Modelle ging seit dieser Zeit auch in den Export. Kurzzeitig wurden auch einige Wagons an Rokal geliefert, die dort dann mit den hauseigenen Kupplungenund Radsätzen versehen wurden.
Anfang 1990 wurde der VEB BTTB in eine GmbH umgewandelt und das Unternehmen bis zum Konkurs 1993 fortgeführt. In den 90-iger Jahren übernahm die Firma Mattra unter Führung von Herrn Tillig zunächst die Sebnitzer Firma Pilz Modellgleis und später Teile aus der Konkursmasse von BTTB. Daraus entstand dann im September 1993 die heutige Firma TILLIG Modellbahnen GmbH & Co. KG, die meines Erachtens als der führende Vollsortimenter für Modellbahnen in der Nenngröße TT angesehen werden kann.
Darüber hinaus gibt es glücklicher Weise noch eine Reihe weiterer Hersteller von Modellbahnen und Zubehör im Maßstab 1:120. Einige davon sind unter der Rubrik Links zu finden. Die Bilder der Verpackungen (Draufsicht und Seitenansicht) geben einen kleinen visuellen Einblick in die Entwicklungsgeschichte der TT-Modellbahn von etwa Ende der 60-iger Jahre bis ins Jahr 2010.